Gaffer stören: Sichtschutz für Unfallopfer + Einsatzkräfte

geschrieben von: Heid Stefan | FF Egloffstein & Burkhardt Florian | KFV Forchheim

Täglich werden Menschen bei Unfällen oder Unglücken schwer oder sogar tödlich verletzt. Anstatt zu helfen werden durch Gaffer Fotos oder Videos gemacht und diese schnell in vielen Onlinemedien verbreitet. Durch dieses respektlose Verhalten gefährden sie auch die Einsatzkräfte.

LANDKREIS FORCHHEIM – Immer häufiger machen Schaulustige, oder sogenannte Gaffer, negativ auf sich aufmerksam. Durch ihre Sensationsgier behindern sie Rettungskräfte, zum Beispiel bei der Rettung von schwer verletzten Personen. Nicht selten kommt es dabei vor, dass Unfallopfer durch Gaffer fotografiert oder sogar gefilmt werden. Dies führt soweit, dass sich Gaffer selbst in Gefahr bringen, da sie zum Beispiel im Verkehr abrupt ihre Geschwindigkeit verringern, um Fotos aufzunehmen.

Grundsätzlich ist es nicht verboten zu "gaffen", aber es ist auch nicht verboten selbst zu helfen! Wer jedoch Rettungsarbeiten behindert, oder sich durch sein Verhalten selbst in Gefahr bringt, hat mit ernsten Konsequenzen zu rechnen. Seitens der Polizei werden hierfür Platzverweise ausgesprochen oder Strafanzeigen erstellt.

Versetzen wir uns doch einmal in die Lage eines Unfallopfers: Schwer verletzt, hilflos am Boden liegend. Durch Schaulustige oder vorbeifahrende Verkehrsteilnehmer werden wir fotografiert oder sogar gefilmt. Keiner hilft uns, alle sind nur damit beschäftigt schnellstmöglich Bilder in die sozialen Netzwerke zu laden oder an Freunde zu senden. Womöglich finden wir uns ein paar Tage später im Internet auf Bildern wieder. Unzensiert und jeder sieht – das war Ich!

Es ist leider mittlerweile auch keine Seltenheit mehr, dass Angehörige vom Schicksal ihrer Verwandten aus dem Internet erfahren. Noch bevor eine traurige Nachricht durch die Polizei überbracht werden konnte, wissen es die Angehörigen vielleicht bereits aus dem Internet.

Hier gilt: Wer Unfallopfer fotografiert oder filmt und die Ergebnisse weiterverbreitet, macht sich strafbar! Jeder Mensch hat ein „Recht auf sein eigenes Bild“ und darf frei und selbst darüber bestimmen, ob er sich zum Beispiel im Internet der Öffentlichkeit zeigt oder nicht. Dieses Recht wird den Unfallopfern genommen – aber wozu?

Sieben Feuerwehren setzen jetzt aktiv auf einen Sichtschutz für Unfallopfer und Rettungskräfte

In einer gemeinsamen Beschaffungsaktion haben die Feuerwehren Egloffstein, Igensdorf, Neunkirchen am Brand, Hiltpoltstein, Gößweinstein, Gräfenberg und Forth (ERH) im August dieses Jahres jeweils eine Sichtschutzwand erhalten. Koordiniert wurde diese Beschaffung durch den Kreisbrandinspektor Markus Wolf.

Die mobilen Sichtschutzwände zeichnen sich durch ein schnelles und flexibles Aufstellen an den Einsatzstellen aus. Eine Wand ist ca. 7 Meter lang und ca. 1,80 Meter hoch. Durch die Verwendung von mehreren Wänden können endlose Sichtschutzwände zum Schutz der Unfallopfer errichtet werden.

Durch die Abschirmung von Rettungsarbeiten zum fließenden Verkehr, oder zu Schaulustigen, erhoffen sich die Einsatzkräfte mehr Sicherheit bei Ihrer Arbeit. Sie sollen aber auch Angehörigen eine Möglichkeit bieten, abgeschirmt und für sich alleine Abschied zu nehmen. Unbeteiligten oder sogar Kindern sollen Anblicke erspart werden, mit denen sie vielleicht nicht konfrontiert werden möchten oder die sie nicht so leicht verarbeiten können.

Eines sollen die Sichtschutzwände jedoch nicht – den Kollegen der Presse ihre Arbeit erschweren. Diese Wände dürfen nicht dazu „missbraucht“ werden, die Presse von Unfällen oder Unglücken abzuhalten. Durch ein gutes Miteinander, von Pressevertretern und Rettungskräften an Einsatzstellen, können Missverständnisse beseitigt werden und jeder kann ungestört seine Arbeit verrichten.

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