Landkreisübergreifende Übung auf der Bahnstrecke Nürnberg - Bamberg

geschrieben von: Weber Sebastian | KFV Erlangen-Höchstadt

BAIERSDORF/POXDORF - Bei einer landkreisübergreifenden Übung der verschiedenen Rettungsorganisationen am Samstag den 13. Oktober 2018, gab es ein besonderes Szenario für die beteiligten Kräfte abzuarbeiten. Eine Großübung, die das Zusammenspiel von Feuerwehren, THW, Rettungsdiensten, Bundes- und Landespolizei sowohl aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt, als auch aus dem angrenzenden Landkreis Forchheim verlangte.

Im Gleisbereich der Deutschen Bahn, auf Höhe Wellerstadt, wurden folgende Lagen dargestellt:
Angenommen wurde zunächst, dass neben der ICE-Trasse, die sich derzeit noch im Bau befindet, ein LKW mit seinem Ladekran in die Hochspannungsleitung über den Gleisen geriet und diese herab riss. Aufgrund der Spannung von 15.000 Volt geriet das Baufahrzeug in Brand, wodurch auch zwei Arbeiter schwer durch den elektrischen Strom verletzt wurden. Ein sogenannter Spannungstrichter war die große Gefahr, der für die Einsatzkräfte das Erreichen der Schadenstelle und eine schnelle Rettung unmöglich machte. Unterstrichen wurde die Darstellung durch viel Rauch und pyrotechnische Effekte, mit denen die Fachgruppe „Sprengen“ des THW-Baiersdorf Feuer und elektrische Spannung realitätsnah simulierte. Durch den Ausfall der Oberleitung wurde bei einer S-Bahn eine Zwangsbremsung eingeleitet. Dies wurde durch die DB Regio realistisch dargestellt, wobei ein Triebzug auf einen nicht freigegebenen Teil der Bahnstrecke im Baustellenbereich abgestellt wurde. Darin befanden sich insgesamt 120 Insassen, von denen rund 20 Personen aufgrund der Bremsung durch Sturz oder herabfallende Gegenstände verletzt wurden.

Um kurz nach 9 Uhr alarmierten die Integrierten Leitstellen Bamberg und Nürnberg die zuständigen Feuerwehren und den Rettungsdienst. Drei Bergungsgruppen der Ortsverbände Baiersdorf und Forchheim kamen ebenfalls zügig zum Einsatzort. Die Priorität lag für die eintreffenden Führungskräfte in der Koordination der anrückenden Einheiten. Bereitstellungsräume wurden geschaffen, um die Vielzahl an Einsatzfahrzeugen möglichst effektiv zu sammeln und sie dann gezielt abrufen und einsetzen zu können. Die Einsatzleiter von Feuerwehr, Rettungsdienst und dem Technischen Hilfswerk versuchten das Aufkommen abzufangen und zu koordinieren. Die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) des Landkreises Erlangen-Höchstadt errichtete eine Führungsunterstützung vor Ort. 

Zwei Einsatzabschnitte wurden gebildet, da die Unglücksstelle des LKW mehrere hundert Meter vom liegengebliebenen Zug auf den Gleisen entfernt war. Die Schallschutzwände entlang und zwischen den Gleisen machten die Einsatzstelle zusätzlich unübersichtlich und schwer zugänglich. Zunächst war das Eintreffen des Notfallmanagers der DB Netz abzuwarten, der für die Sperrung der Bahnstrecke sowie für die Abschaltung und Erdung der Oberleitungen zuständig ist. Zur Erdung der Leitungen durch Bedienstete der Deutschen Bahn wurde die Übung für kurze Zeit unterbrochen, um den Kräften vor Ort diesen Vorgang zu demonstrieren. Nachdem dies geschehen war, konnten die Positionen wiederbesetzt werden, um dementsprechend die Rettung der Verletzten in Angriff zu nehmen. Hierfür kamen drei „Gerätesätze Bahn“ zum Einsatz. Eine Plattform mit Schienenrollen, die wie ein Waggon auf das Gleis gesetzt wird, um die Beförderung von Gerätschaften, sowie nicht gehfähigen Personen zu ermöglichen.

Beim Erreichen der S-Bahn wurden die Einsatzkräfte mit einer neuen Lage konfrontiert: 
Eine Menge von Fußballfans, die aufgrund der Verzögerung im Bahnbetrieb im Zug zu randalieren begannen. Dargestellt wurde der Aufruhr von einer Mannschaft aus 60 Polizeianwärtern der Bundespolizei, die in Anlehnung realistischer Bedingungen gegen die Helfer vorgingen. Ein enormes Aufgebot an Polizeikräften war nötig, um die gewaltbereiten Gruppen zu bändigen und von den Verletzten und anderen Reisegästen fern zu halten. Die Rettung und der Abtransport der Verletzten und weiteren Fahrgäste erfolgte dann in enger Zusammenarbeit zwischen THW, Rettungsdienst und Feuerwehr. Währenddessen wurde im Abschnitt des verunfallten LKW die Brandbekämpfung und die Rettung der beiden Arbeiter durchgeführt. Die unverletzten Passagiere wurden in eine geeignete Sammelunterkunft, in diesem Fall dem Berufsschulzentrum in Forchheim, gebracht. 

Rund 250 Einsatzkräfte waren zur Stelle, die sich durch die jeweiligen Einsatzleitungen der Organisationen koordiniert wurden. Dazu wurden in regelmäßigen Abständen Lagebesprechungen mit den Führungskräften durchgeführt, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Die Kreisbrandräte Oliver Flake (FO) und Matthias Rocca (ERH) waren hierzu mit ihrer Führungsriege aus Kreisbrandmeistern und -inspektoren zur Stelle, die sich als Abschnittsleiter gegenseitig ergänzten.

Die Inszenierung der Übung hatte Kreisbrandinspektor Stefan Brunner inne, der bei der monatelangen Organisation durch zahlreiche Kräfte aus den Feuerwehren, THW-Ortsverbänden und BRK-Kreisverbänden beider Landkreise, sowie die verschiedenen Organisationseinheiten der DB AG unterstützt worden war. Diese fungierten während des Übungsbetriebs auch als Beobachter. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse werden nun zusammengeführt, ausgewertet und in die künftige Einsatz- und Ausbildungsplanung für Einsätze an der ICE-Strecke aufgenommen. 

Unter den beobachtenden Gästen waren auch die Landräte Dr. Hermann Ulm (FO) und Alexander Tritthart (ERH), sowie der Leiter der Polizeiinspektion Erlangen-Land Armin Dierl und MdB Stefan Müller als Vorsitzender des BRK-Kreisverbands Erlangen-Höchstadt. Die lokale Presse wurde durch die Pressesprecher der Kreisbrandinspektionen und des THW in das Übungsgeschehen mit einbezogen.

Ein herzlicher Dank gilt den angrenzenden Unternehmen, die ihre Firmengelände teilweise spontan als Bereitstellungsflächen für die zahlreichen Einsatzfahrzeuge zur Verfügung stellten. Insbesondere der Firma LB Elektro- und Verkehrsanlagenbau GmbH + Co.KG aus Bischofsmais zusätzlich für den „verunfallten“ Kran-LKW auf dem Gelände der ehemaligen Musterhaussiedlung. Ein besonderes Dankeschön richten wir an die Helfer des THW-OV Forchheim, die alle eingesetzten Kräfte und Statisten nach Abschluss der Übung mustergültig verpflegten.

Bericht aus der Pressemitteilung des Kreisfeuerwehrverbandes Erlangen-Höchstadt - Fotos KFV Forchheim

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